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Berichte & Ergebnisse 2017

10:08 im Grunewald

Beitrag von Ralf Milke.

Ein Bericht von Horst Matznick, den ich nur hochgeladen habe. Danke fürs Teilen, Horst!

Der Zufallsläufer

Alle Wochentage, die mit einem „D“ anfangen, sind extra gute Lauftage. Andere zwar auch, aber besonders kommunikativ sind eben nur die mit dem genannten Anfangsbuchstaben. Also gut, die Damstage und Dontage gehören wohl auch noch dazu. Mehr nicht. Ich kann mir wenig vorstellen, an Donn- und Dreitagen, geschweige denn dittwochs im Kollektiv zu laufen. Nein, im Ernst, die „echten“ D-Tage, die sind es. So wie heute. Heute ist, man höre, D…..onnerstag. Eigentlich mein Lieblingstag. Die halbe Woche ist vorbei, Freitag in Sicht und somit auch das stets ersehnte Wochenende, und zwar deshalb, weil dieses Ereignis öfter stattfindet, als der sich heimlich einschleichende Frühlingsbeginn, wenn bisher überhaupt davon gesprochen werden darf.

Bleiben wir bei heute (die Älteren unter uns erinnern sich: Donnerstag). Frohgemut, wie immer am D…..tag, ach, sagte ich mir, läufst du eben mal ein Stündchen oder vielleicht ein wenig mehr, einfach so, wer weiß, wozu das gut ist? Man kann es knistern und knacken hören, bei den Kiefern am allerbesten. Die sprengen ihre Rinde, weil wieder ein Jahresring zugelegt wird. Statt übers Laub geht es nun über die Baumrinde – nur genau hinschauen. Und was geschieht uns? Der empfindsame Läufer wird allerdings recht häufig durch das fast unbarmherzige Brüllen der Waldvögel davon abgelenkt, was wiederum leicht dazu führen kann, auf einer oder anderen in schierer Frühlingslaune abgelegten Hundetretmine auszugleiten. Was früher die Bananenschalen waren, sind heute die in freier Natur abgelegten Hinterlassenschaften der herzigen Vierbeiner („die wollen doch nur spielen“). Auf beiden Exponaten kann man leicht bis ins Krankenhaus rutschen. Das nur nebenbei. Wo wollte ich eigentlich hin? Kommunikation, aaah, ja, richtig, Donnerstag.

Krumme Lanke, Riemeisterfenn, Grunewaldsee, Hundekehlesee, selbstverständlich Richtung Teufelssee, ein paar Hügelchen und gleich noch ein paar mehr, am Selbstmörderfriedhof vorbei(über eine Umwidmung sollte nachgedacht werden - vielleicht für Langstreckenläufer?!), flugs wollte ich die Birkenallee kreuzen, da kommt mir doch (von links) vermützt, ej, Mann, kennste doch. Na, klar, N.Y.- und Boston-Günther. Donnerstag, 10.08 Uhr. Mitten im Wald, kein Mensch vor Ort, aber wir, wir treffen uns ausgerechnet hier. Dabei kam ich von rechts. Zu Fall kam niemand. Aber der Zufall brachte Konversation. Vorgestern noch in den States, wo man mal hier und da eben ist, ja, Boston, logo, das Trauma. Günther, the Heroes. Erst versuchter, dann verhinderter N.Y.C.-M-Teilnehmer im Oktober 2012, am 15. April, vor 2 ½ Wochen, ein Montag (kein Dontag), Abbruch des Marathons bei km 41 (knapp unter 4:10) aus den bekannten Gründen. Ihm und seiner Frau ist (Gott sei Dank!!!) nichts passiert. Günther beschrieb anteilnehmend, fast wehmütig, die unglaublich gut und professionell abgelaufenen Hilfs- und Ordnungsmaßnahmen, die stille Freundlichkeit völlig unbekannter Menschen und…ja, man glaubt es kaum…die spürbare Solidarität. Bestimmt ist es ein Zusammenwirken bei Fahndung und Ermittlung, sowohl bei Polizei und Bevölkerung, dass es so schnell und lückenlos Aufklärung gegeben hat. Dennoch braucht es Zeit, alles aufzuarbeiten.

Gestern flog Günther wieder ein. Jetlag. Heute treffen wir uns - welch ein Zufall – um 10.08 Uhr unverabredet mitten im großen Grunewald und plaudern beim Laufen über alles. Wäre Günther auch nur 10 Minuten eher dem Zielstrich in Boston nahe gekommen…..es wäre nicht auszudenken gewesen. Eine glückliche Fügung: 10.08 Uhr im Grunewald, welch unbeschreibliches Glück, das war uns bewusst.

Horst

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